Leserbriefe

Hanns-Peter Zahradnyik:

Lieber Daniel !

Ich bin kein Literatur-Kritiker und will auch keiner werden. Deshalb lass mich das mit meinen Worten darstellen.
Dein » Buch Heimat « war für mich von den ersten Zeilen an zupackend und fesselnd. Manchmal fragte ich mich, ob diese Hauptfigur Heini, ganz und gar eine Autobiografie von Dir ist?

Jedenfalls hatte dieser Heini, auch wenn sein beschriebenes Leben in jungen Jahren brutal hart war, ein faszinierendes Dasein gelebt. In gut geschriebenen Büchern ist das wohl das Schicksal dieser Protagonisten. Diese Hauptfiguren führen zuweilen ein brutales Leben, der Leser jedoch ist distanziert hingerissen.

Auf der letzten Seite, ganz unten: Und inmitten der glänzenden, horizontlosen Weite spüre ich, was ich nie zuvor gespürt und wonach ich mich immer gesehnt habe: Heimat.
Bei diesem letzten Wort Heimat, nach der ganzen Vorgeschichte, war ich nun doch sehr betroffen. Mir ist für einen Moment der Atem stehen geblieben. Ein bedrückendes, nicht definierbares Knäul von Gefühlen und Gedanken machte sich in meiner Brust breit.

Wie dem auch sei, Daniel, Du schreibst unterhaltend!
Ja und noch etwas: Deine Bücher sind für mich so eine Art therapeutisches Mittel, um von gewohnten Pfaden zeitweise wegzukommen.

Helmut Blumbach:

Es hat zwar eine Weile gedauert, bis „Der Überfall in der Türkenstraße“ bei unserem Buchhändler angekommen war, aber das Warten hat sich gelohnt. Ich habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen. Die Erzählung hat Humor (die Zeugenbefragung durch die Polizisten nach dem Überfall in der Bankfiliale könnte ähnlich auch bei Karl Valentin vorkommen!), Spannung (Du greifst routiniert, wenn auch mit einer leicht ironischen Distanz, in die Werkzeugkiste der Krimi-Autoren), und Herz (immerhin finden sich am Ende Zwei, nachdem Er sich von seiner Continental, Sie sich von ihrem Vater befreit hat)…Der Reiz dieser ganzen verkehrten Welt liegt darin, dass sie der richtigen den Spiegel vorhält – und das seitenverkehrte Bild ist definitiv erfreulicher als das Original. Als Leser würde man gerne noch ein Weilchen in diesem Bild bleiben: Dem Liebespaar noch ein wenig zuschauen, die Verschrottung von Taxi und Schreibmaschine beobachten, erleben, wie der Sparkassendirektor nach der Bäckerei noch die kommunistische Buchhandlung besucht. Aber das zeichnet ein gutes Buch ja aus: Der Leser kann und muss die Geschichte selber fortspinnen.

Eva Schrecklinger:

Ihr Ms (“Heimat”) hat vor allem deshalb mein Interesse geweckt, weil ich den Eindruck habe, dass Sie etwas Neues, Frisches zu den vielen ähnlichen Büchern beitragen können, mit Ihrem subtilen, eigenen und dadurch authentischen und nicht gewollt literarischen Stil… Ich spüre, dass Sie sich in die Charaktere hineinversetzen und deren Leben und Erlebnisse sehr schön beschreiben… Mit gefällt Ihr einfühlsamer Stil und Ihre subtile Ironie…

F. Widmer:

Zunächst: Ich lese gerne darin, es zieht mich richtig hindurch, der Wechsel von Szenen und Gedanken, von Groteskem und Ernstgemeintem, von Stadt und Land, von Eigenem und Fremden ist von der Art, wie ich mir ein Lesevergnügen wünsche. Die Sprache erfüllt genau die Ausdrucksweise eines Stotterers, die kurzen Sätze sind richtig. Da ist Lebensnähe drin, sogar so nahe, dass es einen schmerzen kann. Was mir ebenfalls gefällt, ist das konsequent durchgehaltene Hauptthema, die Stellung des Deppen. Dann auch: Vieles, was andere als Kommentar oder Reflektion in ein Buch hineinpflanzen, ist hier als Szene oder Dialog gestaltet. Oder dann innerer Monolog in sparsamer Art…

Es gibt Szenen in diesem Buch, die man sich in andern Büchern auch wünschen würde: Der Teufel auf dem brennenden Miststock, die Geschichte mit Sara in der Bar und zuhause. Die Sache mit dem nicht ausgetrunkenen Milchglas ist von der Art, die Buchtitel oder ganz starke Motive generiert. Oder Mini-Details wie die mit den Schrauben, die nicht mehr quietschen. Ganz toll überhaupt der Schluss des Kapitels 16. Sehr bedenkenswert die Dozierungen des Lehrers Feigl. Ebenfalls klar:Die psychologischen Einsichten, etwa weshalb ein Bettler Chancen hat zu Geld zu kommen. Dass ein Verruchter auf dem Dorf plötzlich der Held wird. Dass die Frauen gar nicht Worte („das Gequatsche“) wollen. Oder die verblüffende Erwähnung, dass Kinder oft noch nicht den Unterschied von auslachen und anlachen machen können…
Auch die Thematik der Individuation ist in wunderbaren Sätzen zusammengefasst.

Es gibt so viele Szenen in Ihrem Ms. die man sich in anderen Büchern wünschen würde, Sätze voller Humor, Galgenhumor und Sarkasmus, manchmal so subtil, dass man ihn gar nicht gleich erkennt…
Und in den letzten Kapiteln häufen sich die Highlights…

Thomas Tebbe:

… der Mann kann schreiben wie die Feuerwehr, ein wirklich talentierter Autor, der sich in der Welt der Literatur bestens auszukennen scheint. Es ist ein ausgesprochen begabter Autor am Werk, der Zeiten und Orte lebendig werden lässt…

Melanie Heusel:

… dass mich die Geschichte sofort in ihren Bann geschlagen hat. Eine ganz eigene und ungewöhnliche Erzählstimme meldet sich da zu Wort und versetzt den Leser sofort in eine wunderbar skizzierte dörfliche Umgebung. Alles Charaktere sind vielversprechend und machen den Leser gespannt auf den Werdegang….
Viele Stellen haben mich tief berührt, und an zahlreichen anderen musste ich herzlich lachen. Wenn etwa “der Dorfdepp” das väterliche Unvermögen, auf die (vorgetäuschten?) suizidalen Absichten seiner Frau zu reagieren, damit kommentiert, seinem Vater falle es eben stets schwer, Zusammenhänge zu erkennen…

Dr. Herbert Geerling:

Du bist ein unglaublich guter Erzähler, mit kurzen, die Situation präzise ausdrückenden Sätzen, wie z.B. bei Hemingway”. Deine Sätze ziehen einen wie ein Sog in das Geschehen hinein. Und du schilderst auch Geschehnisse auf den Nebenschauplätzen mit großer Detailorientiertheit. Für mich ist das eine große Erzählung und man wünscht sich mehr vom Autor der “Heimat”.

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